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19. Januar, 2016
mm Verfasst von:
Ralf Ohlhausen
Business Development Director
Top 10 Payment-Trends für 2016

Die Payment-Branche wird auch im nächsten Jahr dynamisch bleiben. Wir fassen die 10 Top-Trends für 2016 zusammen.

1. Mobile Payment

Zugegeben, Mobile Payment hatte schon einen festen Platz in den Payment-Trends der letzten fünf Jahre, ohne sich wirklich durchzusetzen, aber auch für 2016 sollte man das Bezahlen per Smartphone auf der Liste haben – diesmal allerdings aus konkreteren Gründen. War es bisher immer eine Art Faszinationsthema, das man durchaus mit vielen Vorteilen für die Nutzer untermauern konnte, steht 2016 eine Standortbestimmung für alle Mobile-Payment-Anbieter bevor. Der Grund: Es sieht zumindest so aus, als ob Apple Pay 2016 auch groß in Europa starten wird, und das könnte die doch recht fragmentierte Mobile-Payment-Welt durcheinanderwirbeln. Dabei ist es unwahrscheinlich, dass von heute auf morgen ein einheitliches mobiles Bezahlen möglich wird, Apple Pay wird aber ziemlich sicher Impulse geben – und Gegenspieler Google wird ebenfalls versuchen, sich in Stellung zu bringen. Ein weiterer Trend: Mobile Payment wird nicht mehr zu 100 Prozent auf das Smartphone angewiesen sein. Auch Smartwatches, Armbänder oder Ringe werden mit Bezahlmöglichkeit ausgestattet.

2. NFC

Ein zweiter alter Bekannter in den Payment-Trends der vergangenen Jahre ist NFC (Near Field Communication), eng verwandt mit dem Thema „Mobile Payment“. Doch NFC geht weit über das Bezahlen mit dem Smartphone hinaus, schließlich gibt es auch viele Kredit- und Debit-Karten mit NFC-Chip. Das beschleunigt den Bezahlvorgang an der Kasse, kleinere Beträge lassen sich ohne PIN-Eingabe oder Unterschrift schnell und komfortabel bezahlen. Natürlich gibt es auch andere Techniken, um am Point of Sale zu bezahlen, etwa QR-Codes. Wir gehen allerdings davon aus, dass NFC sich als Königsweg durchsetzen wird. Händler sollten sich einen Überblick verschaffen, welche aktuelle Kassentechnik es gibt und bei Gelegenheit auf die neuste Technik aufrüsten.

3. Sicherheit

Sicherheit ist ein ständiger Begleiter aller Payment-Methoden. Für 2016 werden vor allem zwei Bereiche die Payment-Branche stark beeinflussen: Tokenization und biometrische Authentifizierung. Mit Tokenization gibt es eine sehr interessante Möglichkeit zur Absicherung von Kreditkartendaten. Die Idee: Statt mit echten Kreditkartendaten arbeiten Firmen nur mit Ersatznummern, den sogenannten Tokens. Die Originaldaten liegen perfekt geschützt auf einem Tokenization-Server, und zum Bezahlen kommen nur die Tokens zum Einsatz. Werden Sie entwendet, entsteht kein Schaden. Ein Hemmschuh ist momentan noch, dass es keinen weitverbreiteten Standard für Tokenization gibt, sondern viele unterschiedliche Ansätze. So gesehen steckt diese Sicherheitstechnik noch in den Kinderschuhen. Für 2016 erwarten wir hier aber Bewegung im Markt.

2016 stehen außerdem Neuheiten bei der Authentifizierung von Zahlprozessen an. Gängige Methoden sind Passwörter, PIN oder Fingerabdruck. Allen ist gemeinsam, dass ihr Schutz ausbaufähig ist und deswegen zunehmend zwei Faktoren zur Authentifizierung herangezogen werden. Umso wichtiger werden deswegen benutzerfreundliche Methoden, wie z.B. neue biometrische Verfahren wie Stimm-Erkennung, Tastendruck-Erkennung, Fingervenen-Scanner oder Pulsschlag-Erkennung geben. Der Trend geht zu mehr Sicherheit bei gleichzeitig mehr Komfort.

4. Internationaler E-Commerce

Wer im E-Commerce Erfolg haben will, kommt immer schwerer um eine internationale Strategie herum. Wer bereits heute in mehreren Ländern tätig ist, wird zukünftig wahrscheinlich sogar in andere Kontinente expandieren. Allerdings benötigen Expansionstätigkeiten im E-Commerce nicht nur Übersetzungen von Websites und effiziente Logistik, sondern es ist mindestens ebenso wichtig, relevante Zahlarten vor Ort anzubieten. Asien, Osteuropa und Lateinamerika sind für europäische Online-Händler die interessantesten Märkte. Da dort die Kreditkartendurchdringung eher niedrig ist, wird es 2016 umso wichtiger, sich mit lokalen alternativen Zahlarten auszukennen und diese gezielt anzubieten. Händler sollten sich Gedanken machen, welche Märkte sich für eine internationale Strategie besonders gut eigenen, und ein mögliches Markteintrittsmodell mit Partnern wie Payment Service Provider durchspielen.

5. Echtzeit-Bezahlung (Instant Payments)

Durch die europäische Zentralbank (EZB) wird Instant Payments demnächst stark in den Vordergrund gerückt werden. Um in der gesamten Europäischen Union Echtzeitbezahlung auf der untersten Infrastruktur-Ebene abzubilden, wird es allerdings ein paar Jahre dauern. Auf der Applikations-Ebene wird es aber schon vorher Lösungen geben, die weitaus schneller umsetzbar oder bereits heute schon vorhanden sind (z.B. Echtzeit-Garantien). Diese sind aus E-Commerce-Sicht ohnehin viel wichtiger, als die tatsächliche Echtzeit-Überweisung von Geld auf das Händlerkonto. Die Echtzeit-Garantie ist insbesondere für digitale Güter vonnöten, die sofort für den Kunden freigegeben werden sollen, aber auch für schnelle Lieferungen, damit Waren nach der Zahlungsbestätigung sofort verschickt werden können. Instant Payments oder Echtzeitbezahlung ist ein Trend, der uns noch lange begleiten wird.

6. Blockchain-Technologie

Die hinter den Bitcoins stehende Blockchain-Technologie wird 2016 mit Sicherheit für Furore sorgen. Die Blockchain ist eine Datenbank, in der z.B. sämtliche Bitcoin-Transaktionen verzeichnet werden. Sie besteht aus einer langen Kette von Datenblöcken, in denen eine oder mehrere Transaktionen zusammengefasst, verschlüsselt und dann fälschungssicher hinterlegt werden. Transaktionen gehen außerdem recht schnell, wenn auch nicht in Echtzeit, und sind günstig. Ideen, wo man die Blockchain-Technologie ansonsten noch einsetzen könnte, werden gerade erst entwickelt. Grundsätzlich ist aber bereits jetzt klar: überall dort, wo Transaktionen getätigt werden müssen, und bislang eine „Trusted Third Party“ vonnöten ist, wird die Blockchain nicht weit sein, um diese kostengünstig und effizient zu ersetzen. Ein Beispiel sind smarte Verträge. Dabei übernehmen Computer (statt Notare) die Vertragsabwicklung, prüfen die Bedingungen live und können einzelne Bestimmungen automatisiert ausführen.

7. E-Geld-Konten

Die Forderung nach „Bankkonten für alle“ kollidiert aktuell mit dem Trend, dass Banken ihre Retail-Bereiche weiter reduzieren. 2016 werden deshalb verstärkt E-Geld-Konten in den Fokus rücken. Die haben den großen Vorteil, dass sie einfach zu haben sind. Damit sind bankähnliche Strukturen auch für Personengruppen zugänglich, die bisher keine Bankleistungen nutzen können, zum Beispiel Flüchtlinge. Weitere Vorteile von E-Geld-Konten sind ihre Datensparsamkeit, meist modernere Benutzeroberflächen und weitreichendere Features. Zudem bieten einige schon jetzt die oben beschriebenen Instant Payments, auf die man bei Bankkonten noch ein Weilchen warten muss.

8. Regulatorische Veränderungen

Aktuell wird noch mit der ersten Version der Zahlungsdiensterichtlinie (Payment Services Directive, PSD) aus 2007 gearbeitet. Die PSD legt zum Beispiel die Informationspflichten für Zahlungsdienste fest, oder auch, dass Zahlungen spätestens einen Tag nach Auftragserfassung ausgeführt sein müssen. Nach zähen, zweijährigen Verhandlungen hat sich die EU nun auf eine zweite Version (PSD2) geeinigt. Die vorgeschlagene Revision hat mehrere Schwerpunkte: Ein wichtiger Punkt ist die Verstärkung der Sicherheitsanforderungen bei Online-Zahlungen. Speziell die Authentifizierung der Kunden soll verbessert werden, um Missbrauch zu erschweren. Außerdem soll die PSD2 den Wettbewerb durch einen Rechtsrahmen ankurbeln, der den Markteintritt neuer Anbieter und die Entwicklung von innovativen Mobil- und Internetzahlungen begünstigt sowie die Banken verpflichtet, diesen Zugang zu gewähren. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) soll für verschiedene Bereiche noch detailliertere Leitlinien und Regulierungsstandards ausarbeiten. Bis das alles in nationales Recht in allen EU-Ländern umgesetzt wird, werden noch zwei Jahre vergehen, aber Zahlungsinstitute sollten sich ab sofort darauf vorbereiten und auch schon 2016 erste Schritte in die absehbare Richtung gehen.

 9. Interbanken-Entgelt sinkt

Das multilaterale Interbankenentgelt (Multilateral Interchange Fee – MIF) wird vom Akzeptanzgeber (Acquirer) an den Kreditkartenherausgeber (Issuer) gezahlt, um dessen Aufwand bei der Autorisierung, Freigabe und Abwicklung einer Kartentransaktion zu vergüten. Die Kosten einer solchen Transaktion trägt normalerweise der Händler, der die Aufwandsentschädigung meist ausschließlich an den Akzeptanzgeber entrichtet. Dieser bezahlt daraufhin alle anderen beteiligten Akteure, wie z.B. die „Scheme Fee“ an das Kreditkartennetzwerk (z.B. Visa, MasterCard) sowie auch das Interbankenentgelt an den Herausgeber der Karte, üblicherweise die Bank des Einkäufers. Die Ende 2015 in Kraft tretende Reduzierung des MIF wird daher die Kosten der Händler verringern, und es besteht die Hoffnung, dass diese – wie durch die Maßnahme beabsichtigt – ihre Preise 2016 entsprechend senken.

Das niedrigere Interbankenentgelt geht allerdings von den Einnahmen der kartenausgebenden Kreditinstitute ab, sodass diese wohl vermehrt Karten- oder sogar Transaktionsgebühren einführen werden. Eine Verringerung der MIF-Einnahmen bedeutet für die Kartenherausgeber auch, dass sie weniger Einnahmen an ihre Marketingpartner, wie etwa Co-Branding-Partner oder Programm-Manager, weitergeben können. Das heißt, Cashback-Systeme und Treueprämien wie z.B. Flugmeilen- oder Geschäftsboni, werden wohl früher oder später reduziert werden.

10. Bargeld auf dem Rückzug

Gibt es bald kein Bargeld mehr? Man könnte auf die Idee kommen, wenn man sich die Entwicklungen in einigen europäischen Ländern ansieht und die aktuelle Diskussion in Wirtschaftsmedien verfolgt. Beispiel Schweden: Bustickets kann man dort oft nicht mehr mit Bargeld bezahlen, akzeptiert werden Kundenkarten, Kreditkarten oder die Bezahlung per Handy-App. Auch das klassische „Bargeld-Beispiel Bäcker“ zieht in Schweden nicht mehr. In vielen Bäckereien stehen Schilder, die darauf hinweisen, dass man doch bitte auch Kleinstbeträge bargeldlos begleichen soll. Eine ähnliche Entwicklung sieht man in Dänemark. Dort wird in der Regierung darüber diskutiert, ob man kleine Händler von der Pflicht entbinden soll, Bargeld als Zahlungsmittel zu akzeptieren.

Die Abschaffung des Bargelds ist aktuell jedoch eher eine ökonomische Theorie unter Fachleuten. Fakt ist, dass zum Beispiel in Deutschland noch rund 80 Prozent der Transaktionen im Einzelhandel bar bezahlt werden. Betrachtet man allerdings den Umsatz, ist Bargeld nur noch für 53,3 Prozent verantwortlich, was sich 2016 definitiv weiter verringern wird. Bargeld ist auf dem Rückzug, alternative Bezahlmöglichkeiten sind auf dem Vormarsch. Bei der Vielzahl an technischen Möglichkeiten (Karten, Apps, Wearables), die es heute bereits gibt, ist der Anteil an Barzahlungen aber nach wie vor als sehr hoch einzuschätzen. Letztendlich macht es die Mischung. Sorgen, dass Bargeld hierzulande ausstirbt, muss man sich derzeit also eher (noch) nicht machen.

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Tags:
trends | blockchain | e-commerce | Sicherheit | E-Geld | Regulierung | bargeldlose Gesellschaft
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